Die kleine Geschichte der Radierung

Wesentliche Voraussetzung für die Verbreitung der Radiertechnik war die Entstehung der Papiermühlen im 15. Jahrhundert.
In dieser Zeit tauchten erste „Drucke” auf, die Verzierungen und Gravuren abbildeten.
Diese entstanden, indem Ruß in die Verzierungen geschmiert wurde und selbige dann auf ein Papier gedrückt wurden.
Es waren Gold- und Waffenschmiede, die auf diese Weise ihre Werke reproduzieren und somit dokumentieren konnten.
Waffenschmiede waren auch die ersten, die unter Verwendung von Essig und Salz mit Eisen Ätzradierungen experimentierten – eine Technik die sich nicht durchsetzte, weil Eisen so schnell Flugrost ansetzte.
Die Kupferradierung hatte ihren Vorläufer indes in den Kupferstichen, die reichhaltige Möglichkeiten zur Darstellung eines Bildes boten. Im Gegensatz zum Holzschnitt, mit dem nur schwarz-weiße Darstellungen möglich waren, konnten mit dem Kupferstich nahezu alle Grautöne abgebildet werden.
Dass Ätzradierungen schließlich an Bedeutung gewannen, hatte mit einem entscheidenden Vorteil dieser Technik zu tun, bei der mithilfe eines chemischen Ätzungsprozesses, Linien in eine Kupferplatte geprägt wurden, die zuvor nur leicht eingekratzt wurden. Ein Nachteil war zunächst zwar, dass nicht dieselbe Präzision wie beim Kupferstich erreicht werden konnte – weshalb diese auch nach wie vor angefertigt wurden.
Der besondere Vorzug aber bestand darin, dass es möglich war, wie mit einem Stift die Kupferplatte zu bearbeiten und so einen individuellen Zeichenstil in diese Drucktechnik transferieren zu können.
Für die Pioniere der Druckgrafik – große Namen sind hier Albrecht Dürer und Rembrandt – waren Verfahren, die eine vereinfachte Reproduzierbarkeit ihrer Arbeiten ermöglichten, eine Chance, bekannter zu werden, einen Ruf aufzubauen und Werbung für die eigenen Werkstätten zu machen.
In der Folge fanden die Bilder und damit einhergehend auch die Stilrichtungen der einzelnen Künstler europaweite Verbreitung.
War die Radierung zunächst nur ein handwerkliches Mittel um einfacher höhere Auflagen von Bildern zu produzieren, entwickelte sie sich mit der Zeit zu einer eigenständigen künstlerischen Arbeit, die bewusst als künstlerische Ausdrucksmöglichkeit gewählt wurde.